Month: November 2015

Life is like baking cake.

Today, I somehow ended up messing around in my inner philosophical kitchen for a while and I got some wonderful-smelling life wisdom out of that:

We humans were all born with our own unique set of ingredients, and by living fully, we are creating our own perfect, delicious cake that is true to our nature. So for simplicity’s sake, let’s say that life is about creating a cake unique in style and taste.
Now, why the hell do we get so hung up about the egg?

Wait, wait, I can explain.

So there’s one cake only YOU can bake. The one only you have the heavenly installed starter kit for. The one cake whose recipe only you understand, and to which you have a beautiful set of ingredients unlike any other. One should think that you would go about that delicious business giddy as Mr. Bubble, curiously exploring the contents of the kit you were given by mother nature, eager to find out what kind of cake you would get to create. It should be with utter amazement that you scrutinize every single item, properly taken by all the smells, the feels and the difference in textures.
I’d assume you’d even show your kit to your baker friends and that they’d show you theirs, in fact that everyone would be inspired, engaging in conversations as to how to go about the business of baking. Plans would be exchanged and everyone would help everyone else along on the way to… CAKE. So far, not a single drop of jealousy would have clouded our sparkly eyes. One should think that this would be fun!

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The real reason we’re not happy bakers.

So now what? Something must have happened between then and CAKE, because instead of being a merry bunch of bakers feeding eachother spoonfuls of our dough, you (and almost everyone else I know) started fussing about the egg in our set of ingredients, and you thereby put the cakemaking matter on hold.

That’s where hell came in.

The whole thing went south when you picked up the message that something wasn’t quite right with your egg.
Was it someone looking at it in a weird way, was it someone trying to rub away a gooey bit that stuck to the shell? Was it someone pointing to a crack that wasn’t supposed to be there? Was it someone suggesting that your particular egg was too wide, the wrong color, sort of funny-smelling, maybe pass its sell-by date?

Whatever it was, suddenly you saw it too. Damn, it really was a bit wide, and – oh, no! – others had a white egg and not a brown one like you, why hadn’t you ever noticed that there actually was a weird smell to it, and Jesus, the crack!

Where there previously was none, there was – in fact, there IS – a problem. Exit giddiness, enter problemsolving mode. “Better fix this unless I want to risk ruining my cake!” All the glorious ingredients that you were so joyful over are now forgotten and you have become anxious and totally focused on that egg.
You compare its look to every other egg, especially those on the covers of popular cake-magazines. Holy hell! Every egg but yours seems in better shape.

And so you put all your grit to it, trying everything.
You polish. You bleach. You mask. You glue. You want to change your egg with a vengeance, and since you can’t seem to shape it the way that restores your happy, you end up hating it. Thinking that, since the egg is wrong, who’s to say that the rest of your ingrediences are any good?

And who the fuck said life was supposed to be fun anyway? Stupid egg, you think.

Your thinking is wrong.
Did you know that it is impossible to make a cake with a perfect-looking egg? It must have slipped your mind that, to be of any use for your cakebaking proceedings, you need to actually USE your egg. And to use it, what’s the point in focusing on keeping its outer shell perfect in the first place? To bring your egg to its divine use, you need to BREAK its shell.

So, to you, to all of us: Let’s stop polishing our eggs and bake our cakes already!

Let me know when you got the dough, I’d love a taste of it.

Rennen. Oder vom Mut, damit aufzuhören.

Der Tag erwacht,
schon beginnt’s im Kopf zu blinken.
Welch riesige Macht!Der Mut beginnt zu sinken;
so viel zu leisten, noch nichts vollbracht.

Rennen! Leisten! Nützen! Tun!
Die Kommandos lauter als ich selbst
Zuwenig Sport! Zu eng die Jeans!
Es lockt das Essen, was soll ich tun?
Also renn ich, leist ich, nütz ich – stresse durch die Welt
und weiss nicht, ob ich’s verdient hab, mal einfach nur zu ruhn.

In all den ach-so-gleichen Tagen,
verbracht mit Müssen, Sollen, Spuren
beginn ich mich zu fragen:
Was ticken in mir denn für Uhren?
Wofür IST das ganze Plagen?

Was bliebe ohne den konstanten Drill?
Wär ich wohl noch gut genug?
Was wär denn eigentlich mein Ziel?
So ohne Essensangst, Diätenlug?
Wenn ich mir einfach so gefiel?

Tönt doch eigentlich gesund:
ein ganz normales Menschenwesen;
da ganz heil, und dort ganz wund,
das es verdient hat, zu genesen –
ob es dünn ist oder rund.

Das Gesunde in mir weiss genau:
Essen muss man nicht verdienen.
Auch wenn die Menge noch nicht schlau – zur Strafe Sport; das kann nicht dienen,
wenn das Mädchen wimmert “auu”.

Denke ich an Bauernbrunch und Kuchen –
mal ganz ohne Hosengrösse –
ach wie gern ich’s tät versuchen!
Doch gäb ich mir die Blösse,
müsst ich Spott dann wohl verbuchen?

Falls sie spotten sollten oder lachen,
weil ich das Ideal verfehle,
weh würd mir das machen,
Scham mir brennen in der Seele.
Drum will ich die erst recht bewachen.

Sorgenvoll sind die Gedanken.
Wie soll das alles gehen?
Ich muss doch spörteln, komm ins Schwanken.
Lasse schon das Frühstück stehen.
Ganz klar, muss noch viel mehr Mut auftanken.

Mut zur Freiheit, Mut zu Liebe und Genuss.
Entdecken, wer ich bin und wie das ist,
wenn ich nicht nur ständig “muss”,
sich stattdessen freuen über was man isst –
ohne Strafe und Verdruss?

“Das ist unmöglich, strafbar gar!”
“Man muss was leisten für die Liebe!”
“Wirst schon sehen, es ist wahr!”
– solche Worte sind wie Hiebe,
weil JEDES Wesen doch ist wunderbar.

Ein Umdenken kommt in Gang.

Seit ungefähr einem halben Jahr – seit meinem Bandscheibenvorfall, der mich in die Knie zwang – habe ich viel mehr Zeit. Viel mehr Zeit, in der mein Kopf böse Dinge gegen mich ausspuckt, viel mehr Zeit, in der mich Sorgen plagen, viel mehr Zeit, in der mir schmerzlich bewusst wird, wieviel Zeit ich eigentlich meinen Ängsten und Zwängen schenke. Vor lauter Angst, man könnte mich verspotten oder ausschliessen, wollte ich schon als Kind unbedingt mehr so sein wie “alle anderen”. Und weil an mir so vieles so anders war als bei “allen anderen”, war ich jahrelang damit beschäftigt, mich ändern zu wollen. Nichts an mir war gut genug, so wie es von Haus aus geliefert kam. Ich fand mich zu dick, zu fad, zu ungeschickt, zu unförmig, zu fadenhaarig, zu x-beinig, zu zahnfleischlächlig, zu unathletisch. Also tat ich, was so manche Frau tut: Ich diätete. Anfangs – wie bei jeder Diät – auch ganz erfolgreich, doch eben… Das war der Anfang. Als ich mein Glück beim tieferen Gewicht nicht fand, dachte ich, es sei halt einfach noch weiter unten, ich hätte mich noch nicht genug kasteit. Irgendwo musste ich dieses “gut genug” doch finden? Nicht einmal bin ich auf die Idee gekommen, dieses Gefühl da zu suchen, wo es auch tatsächlich zu finden ist: In mir drin. Ich suchte es verbissen im Aussen. Ich diätete, als ob der Teufel hinter mir her wäre. Ich trainierte wie versessen und war nach Jahren intensiven Sports immer noch überzeugt, es sei noch nicht genug. Noch nicht genug gehungert, noch nicht genug geformt, noch nicht genug geschwitzt. Ich war überzeugt, dass ich “halt leiden muss”, um dazuzugehören. Ach, diese Geschichte, die hat so viele dunkle Kapitel, sie füllt ein ganzes Buch. Was ich sagen will: Ich tat es völlig unschuldig und blind! Ich hinterfragte weder die Botschaften, die mir seit Kindheit in die Seele gepfeffert wurden, noch das gängige – immer absurder dünne – Schönheitsideal. Ich sah nur, dass ich dem allen nicht entsprach, und so war es schnell passiert, dass mein ohnehin schon nur bedrohlich kleines Selbstvertrauen restlos an meiner eigenen Betonwand zerbröselte.

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Und als nun in den letzten Monaten mit den intensiven Nervenschmerzen vom Rückenleiden die Ängste auch deshalb immer intensiver wurden, weil ich begann, zuzunehmen, nahm ich beseelt einen längst überfälligen Schritt zurück und begann, mich von Grund auf zu informieren. Ich lernte, was einen Frauenkörper dazu bringt, den natürlichen Menstruationszyklus aufzuhören: Stress, Übertraining, zu wenig oder sehr einseitige Nahrung, innere Anspannung. Dass da auch Sport massgeblich beteiligt ist, denn – entgegen der gängigen Meinung, dass mehr automatisch besser heisst – jedes Ausdauertraining (das wir besessenen Kalorienverbrenner ja vornehmlich betreiben) dazu führt, dass im Körper das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet wird: deshalb lässt der Abnehmeffekt auch plötzlich nach, und man denkt, immer noch mehr machen zu müssen, um das Gewicht tief zu halten. Der Körper ist aber nur noch gestresst und vor lauter Cortisol je länger je kränker. Und plötzlich nützt nichts mehr, man fühlt sich nur noch todmüde, erschlagen, seelisch und körperlich am Ende. So gesund kann Sport sein! Hm. Das wusste ich in all den Jahren der Überbelastung nicht, ich hatte keine Ahnung. Ich hatte genauso wenig das Bewusstsein darüber, wer eigentlich profitiert von unserem Gefühl, nicht zu genügen. Wer da eigentlich Milliarden verdient und kein bisschen daran interessiert ist, dass wir uns besser fühlen. Die Schönheitsindustrie zum Beispiel, die freut sich krumm, wenn wir unsere Nasen gerade-operieren lassen. Die Fitnessindustrie zum Beispiel, die lehnt sich in goldenen Sesseln zurück, während wir unser Abendessen abstrampeln in einem der tausend Studios. Die Diätindustrie zum Beispiel, die mit leichtem Herzen “light” und “leicht” und “ohne Sünde” oder “slimline” auf ihre Produkte klebt und uns damit das Leben schwermacht. Wir rennen, wir zahlen, wir machen alles, um den vermeintlichen Anforderungen –  denen man gar nie gerecht werden kann, ohne dabei todunglücklich zu werden – zu erfüllen.

Plötzlich wurde mir vieles klar. Und während ich diese Angst spürte, dass man mich nun nicht mehr mag, weil ich wieder beginne, zuzunehmen – jetzt wo ich nicht mehr täglich 2-3h Sport mache und auch dem Impuls widerstanden habe, im Gegenzug dafür auf den nächsten Diätzug zu springen – genau in diesem Moment fragte ich mich, ob ich wirklich – wirklich! – wieder so dünn sein wollte wie in den vergangenen 4 Jahren. So dünn, dass in einem ganzen Tag gar nicht mehr viel anderes möglich war als obsessive Gedanken ans Essen (wollen und nicht dürfen) und an Kalorienrechnereien, mit denen ich mein tägliches Sportzwangspensum festlegte. So dünn, dass es es mir weh tat, auf einen harten Stuhl zu sitzen; ein Gefühl, als würde mein Steissbein durch die Haut gebohrt. So dünn, dass mir ständig – an 365 Tagen im Jahr! – eiskalt war. Egal, ob Sommer oder Winter, mir war kalt, von innen heraus kalt… Noch bis vor sehr, sehr kurzem war mir jeder Gedanke an Intimität dermassen zuwider, weil ich mich selber nicht ausstehen konnte, und IMMER noch glaubte, ich müsse noch dünner werden, noch mehr leiden, bis man mich lieben könnte.
Nein. Dahin will ich nicht zurück. Ich lerne jetzt, mich selber zu lieben. So wie ich bin. Mit allen Makeln.
Und doch, da bleibt dieses diffuse Gefühl, es nun nicht mehr unter Kontrolle zu haben, immer wieder diese Gedanken im Kopf, die mir einreden wollen, ich müsse demnächst wieder ein paar Kilo abnehmen.Diese Leier kommt mir langsam bekannt vor, ich möchte ihr nicht mehr auf den Leim gehen. Denn das ist keine gesunde Leier. Es ist eine so glasklar irrationale Sache, dass mir jetzt klar ist: Das KANN mit dem Körper gar nichts zu tun haben kann. Denn grundsätzlich fühle ich mich wieder viel, viel vitaler und strahlender. Und ja, ich muss wieder neue, grössere Hosen besorgen, das ist bekackt, aber auch nicht so bekackt wie es beknackt war, sich über kleinere Hosen zu freuen.

Ich will die Industrien nicht füttern. Und ich will ab sofort nie mehr Fett-Sprache hören unter Frauen. Das tut uns nicht gut! In vielen Frauen ist dies so verankert, dass sie es wohl kaum merken. Ständig – ständig – reden sie abwertend über ihre Körper. Sie zwicken sich vor Freundinnen in die Bäuche, reden nur vom “abnehmen-sollen” oder “zugenommen-haben” und verstärken gegenseitig diese Schnapps-idee, dass wir – so wie wir sind, individuell in Form und Geist – nicht genug sind. So geben wir das schon unseren Mädchen weiter, die sofort spüren, wenn wir nicht wohl sind in unserer Haut, wenn wir glauben, hinter dem “Dünn”-Konzept stecke die Freiheit, das Glück.

Nein, dort ist es nicht. Wirklich nicht. Ich schwörs. Wir dürfen aufhören damit, dem irren Ideal nachzueifern und dabei zu vergessen, wie leben geht. Wir dürfen einfach wieder sein. Essen, Freude haben, Sportschuhe liegen lassen und uns über die Bäuche streichen lassen.

Alles andere ist Irrsinn. – Ich glaubte ihn 41 Jahre lang.

Jenseits von Kleidergrössen.

Lasst uns den Moment löschen, in dem die erste Lifestyle-Diät unseren natürlichen Zugang zu Hunger und Sättigung aus der Bahn warf.
Lass uns alle unsere verzweifelten Diät-Versuche zerst zählen, darüber staunen, und dann rückgängig machen.
Lass uns das Zeitalter des wie-vergiftet-Kalorienzählens beenden.
Lass uns das Einzige, was sie uns je wirklich brachten, wieder verlernen – dass wir lernten, uns wie Versager zu fühlen.
Lass uns aufhören, uns schuldig zu fühlen für unseren Hunger.
Lass uns aufhören, Bewegung und Sport als Mittel zum Zweck des Kalorienverbrenns zu missbrauchen.
Lass uns aufhören, uns zu verurteilen für den Körper, in dem wir geboren sind.
Lass uns aufhören, andere Körper zu verurteilen, weil sie anders sind als unsere.
Lass uns aufhören, gegenseitig über unsere Körper zu tuscheln, sie auszulachen, zu beneiden oder zu entwürdigen.
Lass uns aufhören, uns zu verstecken, weil wir “die letzten 5 Kilo” noch nicht verloren haben.
Lass uns die Scham überwinden, die uns jahrelang die Lust an allen schamlosen Vergnügen vergiftete.

Lass uns das Schweigen durchbrechen!

Lass uns die Schönheit jedes einzelnen Menschen vorurteilsfrei feiern. Lass uns die Vielfalt schätzen.
Lass uns Körper als das bestaunen was sie sind: Unsere Vehikel, um in dieser Welt unsere Talente zu entdecken, zu spielen, zu reisen und zu lieben.
Lass uns vom Herz aus gesunden und uns an unseren urnatürlichen Imperfektheiten freuen.
Lass uns einander zeigen, aus welchem Material wir geschnitzt sind.
Lass uns lachen darüber, wie lange wir blindlings nach jedem Strohhalm griffen, der uns “Schönsein” und “Schlanksein” versprach – versprach, zu “genügen”; von Cellulitepackungen bis Antifaltencrèmes, von Schlankheispillen bis Schönheitsoperationen, von Diätprogrammen bis Fitnessabos.
Lass uns erkennen, wer schamlos profitierte, wenn wir uns unvollkommen, minderwertig und hässlich fühlten: Eine milliardenschwere Diät-/Fitness- und Schönheitsindustrie.
Und dann lass uns wieder mit Liebe all die Bäuche und Brüste, Pobacken und Lachfalten berühren.
Lass uns der Seele statt den Sixpacks frönen.
Lass uns wieder erkennen, wer wir wirklich sind und wofür unser Feuer brennt.
Lass uns Essen wieder geniessen.
Lass uns Bewegung wieder neu entdecken.
Lass uns schätzen, was unser Körper eigentlich alles KANN!
Lass uns aufatmen.
Lass uns mit einem Lächeln auf unsere eigene Blindheit zurückblicken und mit Stolz im Blick in die Zukunft schreiten. In eine Zukunft jenseits von Kleidergrössen.