Der Tag erwacht,
schon beginnt’s im Kopf zu blinken.
Welch riesige Macht!Der Mut beginnt zu sinken;
so viel zu leisten, noch nichts vollbracht.

Rennen! Leisten! Nützen! Tun!
Die Kommandos lauter als ich selbst
Zuwenig Sport! Zu eng die Jeans!
Es lockt das Essen, was soll ich tun?
Also renn ich, leist ich, nütz ich – stresse durch die Welt
und weiss nicht, ob ich’s verdient hab, mal einfach nur zu ruhn.

In all den ach-so-gleichen Tagen,
verbracht mit Müssen, Sollen, Spuren
beginn ich mich zu fragen:
Was ticken in mir denn für Uhren?
Wofür IST das ganze Plagen?

Was bliebe ohne den konstanten Drill?
Wär ich wohl noch gut genug?
Was wär denn eigentlich mein Ziel?
So ohne Essensangst, Diätenlug?
Wenn ich mir einfach so gefiel?

Tönt doch eigentlich gesund:
ein ganz normales Menschenwesen;
da ganz heil, und dort ganz wund,
das es verdient hat, zu genesen –
ob es dünn ist oder rund.

Das Gesunde in mir weiss genau:
Essen muss man nicht verdienen.
Auch wenn die Menge noch nicht schlau – zur Strafe Sport; das kann nicht dienen,
wenn das Mädchen wimmert “auu”.

Denke ich an Bauernbrunch und Kuchen –
mal ganz ohne Hosengrösse –
ach wie gern ich’s tät versuchen!
Doch gäb ich mir die Blösse,
müsst ich Spott dann wohl verbuchen?

Falls sie spotten sollten oder lachen,
weil ich das Ideal verfehle,
weh würd mir das machen,
Scham mir brennen in der Seele.
Drum will ich die erst recht bewachen.

Sorgenvoll sind die Gedanken.
Wie soll das alles gehen?
Ich muss doch spörteln, komm ins Schwanken.
Lasse schon das Frühstück stehen.
Ganz klar, muss noch viel mehr Mut auftanken.

Mut zur Freiheit, Mut zu Liebe und Genuss.
Entdecken, wer ich bin und wie das ist,
wenn ich nicht nur ständig “muss”,
sich stattdessen freuen über was man isst –
ohne Strafe und Verdruss?

“Das ist unmöglich, strafbar gar!”
“Man muss was leisten für die Liebe!”
“Wirst schon sehen, es ist wahr!”
– solche Worte sind wie Hiebe,
weil JEDES Wesen doch ist wunderbar.

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